Schendelplatz, 9. November 2020

Putzen ist hier auf die Knie gehen ist pflegen ist: sich mit dem Leben der Leute beschäftigen und es in guter Erinnerung behalten. Schon über’s Wochenende rieben die hiesigen Nachbarn die Stolpersteine in der Umgebung mit einer Paste ab und bürsteten die Messing-Objekte. Die Stolpersteine erinnern vor den einstigen Wohnhäusern an die durch Nazis deportierten„Schendelplatz, 9. November 2020“ weiterlesen

Nachtfrost

Ein Schneepflug schneist sich eine Spur durch die Alte Schönhauser Straße. Das wirkt übertrieben, tatsächlich ist der Pflug vorne am orangefarbenen 7,5-Tonner hochgezogen. Geschneit hat es nicht. Nur ein Zeichen: An einigen Stellen der Stadt wird es wohl jedoch einiges an Eis wegzuräumen geben. Hell strahlt das Weiß der Hausfassaden gegenüber des Spielplatzes. Gehemmt wirkt„Nachtfrost“ weiterlesen

Ein Sonnenstrahl

Samstags ab 10 wird es leer am Schendelplatz. Die Samstagarbeiterinnen sind längst los gefahren, die frühen Läufer vorbeigezogen und die Dalmatiner Gassi gegangen. Hinten am Durchgang zum Spielplatz versammeln sich die Bäcker. Eine rauchen. Ihre ersten Strahlen schickt die Sonne von hinten auf den Fernsehturm. Der wiederum leitet sie weiter an den Außenspiegel eines in„Ein Sonnenstrahl“ weiterlesen

Schendelplatz, 06. November 2020

Selbst verschluckt hat sich das Licht. Düsternis wabert über den Sphären. Nein, nicht einmal so konkret benennbar: Nicht-Licht diffundiert zwischen den anderen Bestandteilen Berlin-Mittes. Den Beanies, den Vans, den Volvos, den Van Moofs, den Ziereichen, den Dackeln, den Windhunden, den Burberry-Schals. Die M4 fährt auf der Alternativstrecke durch die Alte Schönhauser Straße. Mit einem Klingeln„Schendelplatz, 06. November 2020“ weiterlesen

Scharfer, kalter Wind

…und fuhr durch die Stadt, und fuhr schneller, mir wurde wärmer. So genoss ich den scharfen Wind. Er blies mir so kalt entgegen, dass ich schneller fahren wollte. Mir wurde noch wärmer. Allmählich erhellte die Sonne die Dunkelheit des Morgens. Mir wurde wärmer, und ich genoss den scharfen Wind. Also fuhr ich schneller, mir wurde„Scharfer, kalter Wind“ weiterlesen

Gruß an die Internationale Weltraum-Station (Ein Blatt fällt auf die linke Schulter)

Diese Schulter hat seit Jahrhunderten kein Mensch berührt. Ich streife einem Flusslauf entlang im Norden Berlins. Hier, schon Brandenburg, bildet die Briese einen See aus und mehrere Moore. Mein Körper fließt, die Atome wählen heute den flüssigen Zustand. Ein Tropfen Schweiß landet auf meiner Nase. Von einer Moorbirke löst sich ein Blatt. Es schaukelt im„Gruß an die Internationale Weltraum-Station (Ein Blatt fällt auf die linke Schulter)“ weiterlesen

Hestia Ingala in der Dircksenstraße

Wochenlang hatte der Text gestockt. Etwas ging nicht weiter. Es war nicht offenkundig, woran genau es haperte. Auf dem Rückweg vom Haus der Kulturen der Welt dann am frühen Samstagabend offenbarte es sich. Eine junge Frau fragte mich in der Dircksenstraße, vor dem Hintergrund der S-Bahn-Bögen, nach einem Laden. Sie brauche unbedingt ein Notizbuch. Sie„Hestia Ingala in der Dircksenstraße“ weiterlesen