Draußen

Das muss jetzt doch einmal, also gesagt, also was das war, für eine Ehre gestern. Gestern. Der Tag war schon gelaufen, und die rosenfingerige Eos in ihrem Safrankleid hatte bereits ihre Pferde Phaeton und Lampos in die Ställe eingefahren hinter dem Horizont.

Da streunte ich durch die Gassen des Scheunenviertels, der Sturm hatte sich gelegt, und dann, also was für eine Ehre. Er kam zurück. Dieser berühmte, den Kontinent Europa erschütternde Sturm kam zurück, wuchs und wuchs und wäschte Locken wuschig, und bämm!, die Klappen da oben öffneten sich und Wasserfall.

Habe die Ehre!, entfuhr es mir, einen Wiener Akzent nicht vermeiden könnend, was mir gleich peinlich, sofort danach wiederum jedoch nicht mehr peinlich war, das war ja eine ganz private Konversation und der Sturm würde das schon verstehen.

Veröffentlicht von Christoph Braun

Christoph Braun, geboren 1970 in Friedrichsthal/ Saar, lebt in Berlin. Er verantwortet das Musikprogramm des Festivals Theaterformen in Niedersachsen. Nach "Hacken – Leben auf dem Land in der digitalen Gegenwart" (2012, Klett-Cotta) folgt 2016 die Arbeit am Roman "Rafi, Franzi und Michi reisen durch die rosa Halde" – zweiter Teil einer Trilogie über die Zeitalter der Industrie und der Kommunikation. Einen Dramaturgie-Container zum Text bietet Brauns Blog textezurpopmusik.wordpress.com.

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