Mitschrift 3 am 2. März 2024
Was waren das doch für Samstage, in der Weihnachtszeit, als es feierlich rot leuchtete aus dem Flagship Store von LaLa Berlin in der Alten Schönhauser Straße gleich gegenüber. Es war auch nicht ein so abgenutztes Rot. Hatte viel Gelb und auch viele Anteile von Grün und Orange, es flackerte und irrlichterte festlich. Nun sendet das Gebäudeensemble Linienstraße/ Ecke Alte Schönhauser Straße lediglich das neutrale Schutzlicht des Babywagen-Ladens für Wohlhabende gleich nebenan. Nicht bloß, weil Mariä Lichtmess auch schon einen Monat zurückliegt und Weihnachten damit vorbei ist.
Nee, LaLa Berlin ist selbst vorbei, zumindest der Laden, online ist das Label mit seinen selbstbewusst-sportlichen Silhouetten weiterhin präsent. Das möge für ewig so bleiben. Denn nur ein paar Schritte über die Rosa-Luxemburg-Straße weiter fließt es dahin, das Theater-Berlin. Nach der überraschenden Nachricht vom Tode René Polleschs, dem Endlostextschreiber, Regisseur und zuletzt Intendanten der Volksbühne gab es eine noch größere Überraschung: die Anteilnahme, das persönliche Durcheinander-Sein. Wann hatte es das zuletzt gegeben in der Theaterwelt? Die Frage ist keine rhetorische, mich interessiert das. Mit den Trauerbekundungen nach dem Tode Lady Dis kann das Blumen- und Kerzenmeer an der Eingangstreppe des Theaters noch nicht mithalten, doch wäre Lady Di die Intendantin eines Theaters statt der Ehefrau eines Prinzen gewesen, wer hätte dann überhaupt an so etwas gedacht?
Nichts ist dahin, so lange das Theater so ernst und genommen, so lange das Theater und die Literatur dermaßen das Leben von Leuten berühren können, wie es Pollesch getan hat, mit seinen Anfängen der „Heidi Hoh“-Serie im freien Theater, über erste Arbeiten in Luzern und im Prater der Volksbühne, über Hits wie „Diktatorengattinnen“ und „I Love You But I’ve Chosen Entdramatisierung“ bis hin zu seiner wohl ganz unintendantenhafter Intendanz. Nichts ist dahin.
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