Schauspieler Martin Wuttke war am Samstag zu Gast bei Thomas Meineckes Meet&Music-Reihe „Plattenspieler“ im Roten Salon
Tiefrot, so leuchtete der Rote Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz durch die bepuderzuckerte Mitte, wie ein Hexenhäuschen im kalten Winter, Wärme versprechend und Futter. Drinnen gab’s dann Seelennahrung: zwei Menschen, die sich persönlich zuvor gar nicht gekannt hatten, legten nacheinander Platten auf und redeten dazu. Das Format hatte der Autor, Sänger der Band FSK und DJ Thomas Meinecke vor einiger Zeit aus dem Hebbel am Ufer exportiert.
Dass „Plattenspieler“, so der Titel der Reihe, „ausverkauft“ melden konnte, das lag auch am Gast. Denn Martin Wuttke, der 1962 geborene Schauspieler, spielt nicht bloß seit Ewigkeiten in vielen Inszenierungen des Volksbühnen-Intendanten René Pollesch mit. Er ist bereits seit Beginn der 1990er Jahre ein großer Name im deutschsprachigen Theater. Die im Jahr 1995 noch von Heiner Müller inszenierte Produktion von Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ mit Wuttke in der Titelrolle läuft noch immer am Berliner Ensemble, unterbrochen von einer weiteren Hitler-Rolle in Tarantinos „Inglorious Basterds“.
Im Gespräch mit Thomas Meinecke, dem Autoren von vielen Suhrkamp-Romanen wie „Hellblau“ oder „Tomboy“, geht es jedoch selten um die professionelle Geschichte Wuttkes. Vielmehr war es wie zwei Fremden zuhören, die sich Musik mitgebracht haben und über ihre Vorlieben reden. Was sich heraus schälte, war Haltung: von Punk geprägt, in zwei individuellen Leben weitergesponnen. Spielte Wuttke was aus der Frühzeit von Iggy Pop, dann lag auch schnell Außenseiter-Rock auf dem Plattenteller. No Wave aus New York, Berliner Underground, Dada deutschsprachig mit unter anderem Christoph Schlingensief.
Am Album „Buy“ von James Chances Contortions wurde das deutlich: auf der Rückseite des Covers schwitzt Chance in sein Mikrofon, einige Figuren im Publikum in Rock und Anzug vertiefen sich in den zuckigen Beat. Post-Punks? wirft Meineke seine Fragestellung in den Raum, oder doch Banker? Bewusst vor Ort oder Absacker nach Arbeit? So geht es, hergeleitet aus dem Stil, wie nebensächlich um zentrale Fragen der Ästhetik.
Wuttke im Ton des Steines, auf dem sich gerade die Eidechse wärmt; Meinecke in seinem freundlichen, zugewandten Gestus. The Velvet Underground und Nico solo durften rausschmeißen; in der Kantine mag es noch weiter gegangen sein.
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