Nachtfrost

Ein Schneepflug schneist sich eine Spur durch die Alte Schönhauser Straße.

Das wirkt übertrieben, tatsächlich ist der Pflug vorne am orangefarbenen 7,5-Tonner hochgezogen. Geschneit hat es nicht.

Nur ein Zeichen: An einigen Stellen der Stadt wird es wohl jedoch einiges an Eis wegzuräumen geben.

Hell strahlt das Weiß der Hausfassaden gegenüber des Spielplatzes. Gehemmt wirkt das Leuchten, ganz so als schwebten die Frostsymbole durch die Luft, jene Kristalle der Wetterkarten, und brächen das Licht.

Innerhalb von zehn Tagen sind beinahe alle Blätter auf den Schendelplatz hinabgefallen. Die alte Linde jedoch, der einnehmende Baum vor Ort, beginnt sich erst jetzt zu verfärben. Oben setzt sie Gelb an. Unten bleibt sie dicht und grün.

Veröffentlicht von Christoph Braun

Christoph Braun, geboren 1970 in Friedrichsthal/ Saar, lebt in Berlin. Er verantwortet das Musikprogramm des Festivals Theaterformen in Niedersachsen. Nach "Hacken – Leben auf dem Land in der digitalen Gegenwart" (2012, Klett-Cotta) folgt 2016 die Arbeit am Roman "Rafi, Franzi und Michi reisen durch die rosa Halde" – zweiter Teil einer Trilogie über die Zeitalter der Industrie und der Kommunikation. Einen Dramaturgie-Container zum Text bietet Brauns Blog textezurpopmusik.wordpress.com.

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